Medizinische Notfälle im Flugzeug...

und die Frage: "Ist ein Arzt an Bord?"

Ist zufällig ein Arzt an Bord? - Vielleicht haben Sie diese Frage auch schon mal an anderer Stelle vernommen, als in einem Kino oder vor dem Fernseher sitzend.

Es gibt Personen, die fragen sich schon beim Einchecken am Airport, ob nicht vielleicht auch ein Arzt mitfliegen wird. Auch wir wurden sogar schon gefragt, wann wir mit welcher Airline unsere Reisen tätigen würden.

Uns wurde auch wiederholt die Frage gestellt, ob denn an Bord eines Flugzeuges überhaupt etwas passieren würde, schließlich sitzt man ja nur, isst und trinkt.

Eine Studie aus dem Jahr 2004 (Mahony) ergabt, dass auf 5.000 Passagiere jeweils ein Notfall an Bord eines Flugzeuges auftrat, zu dem ein Arzt gerufen werden musste. Dabei wurde auch festgestellt, dass sich in bis zu 70% der Fälle auch ein Arzt an Bord befand. Laut Informationen von "Flying Doctors" haben auch bereits etwa 65% aller Ärzte an Bord einen Notfall mitbekommen oder selbst dabei geholfen.

Natürlich wurde in der Studie auch der Frage nachgegangen, was für medizinische Notfälle es denn vornehmlich waren, welche sich an Bord eines Flugzeuges ereigneten. Dabei machten die Herz-Kreislaufbeschwerden mit etwa 60% der Fälle den größten Anteil aus, gefolgt von Magen- und Darmproblemen (etwa 16%), neurologischen Problemen (etwa 10%) und Atemproblemen (etwa 8%).

Der Großteil unserer Klienten fliegt in Richtung Asien und Australien, oder kommt aus diesen Regionen nach Europa geflogen. Ein guter Grund somit, nun auch mal kurz die Studie dahingehend zu betrachten, wie es denn alleinig unter Berücksichtigung der asiatischen und australischen Airlines aussieht.

In der Zusammenfassung aller medizinischen Notfälle an Bord einer asiatischen oder australischen Airline im Jahre 2004, sah die Verteilung der gesundheitlichen Probleme folgendermaßen aus:

~ 29% waren Kreislaufprobleme / Kreislaufkollaps
~ 22% waren Magen-/Darmbeschwerden
~ 17% waren Fälle von plötzlicher Bewusstlosigkeit
~ 13% waren Atemprobleme
~ 4% waren Schmerzen im Brustbereich
~ 3,5% waren neurologische Probleme
~ 3,5% waren psychologische Probleme
~ 3% waren Probleme im Hals-Nasen-Ohrenbereich
~ 2,5% waren plötzlich aufgetretene Verletzungen
~ 2,5% waren Probleme durch allergische Reaktionen.

Nun stellt sich doch bei diesen Flügen gewiss mancher auch die Frage nach dem "Economy-Class-Syndrom", oder auch Flugreisenthrombose genannt, welches mancher bei dieser Fernfliegerkategorie doch bestimmt erwartet hätte, oder?

Wenn es ums Fliegen in ferne Länder geht und dabei von Themen wie "Gesundheit" gesprochen wird, so fallen üblicherweise stets die Schlagworte "Malaria" und "Thrombose". Haben Sie mal an andere Gesundheitsprobleme im Zusammenhang mit einer Flugreise gedacht? Ok, wenn man mal bedenkt, dass mindestens jeder Zweite schon mal vor oder während eines Fluges Angst bekommen hat, dann wird sicher manches Mal auch noch das Thema "Flugangst" angesprochen.

Aber wie sieht es denn allgemein mit den "anderen möglichen Problemen" aus? Schauen Sie doch mal zuhause in Ihrem privaten Umfeld nach. Kennen Sie da jemanden mit Problemen der Blutgerinnung oder mit einer Thrombose? Und wieviele Personen könnten Sie finden, die Probleme mit der Blase oder der Prostata haben und für den somit der "einfache Gang" zur Toilette schon ein Problemchen darstellt. Im Jahr 2004 gab es alleine auf den Flügen der Lufthansa 23 Fälle, in denen an Bord ein Blasenkatheder gelegt werden musste. Glauben Sie, dass es dort auch eine ähnlich hohe Anzahl von Thrombosen gab? Dem war ganz gewiss nicht so. Nun ja, Kritiker könnten nun kontern, dass es bei dem Thema "Flugreisen und Thrombosen" ja noch einen anderen und wichtigen Berücksichtigungspunkt gibt, denn die Thrombosen an sich entwickeln sich langsam und die ersten deutlichen Probleme treten ja meist erst mit oder nach dem Verlassen des Flugzeuges auf. Dazu aber mal an anderer Stelle mehr zu diesem Thema.

Alles in Allem zeigt sich anhand der ganzen Zahlen jedoch recht deutlich, wie sicher das Fliegen doch auch aus reisemedizinischer Sicht ist.

Wichtig bleibt jedoch stets eine sehr gute persönliche Vorbereitung, egal ob für den Hin- oder den Rückflug. Auch eine gewisse Disziplin während des Fluges ist sehr bedeutsam. Seit auf den Flügen das Rauchverbot eingeführt wurde, lässt sich gewiss auch schon ein positiver Einfluss auf die "Thromboseproblematik" nachweisen. Wer daneben noch etwa alle halbe Stunde einen Becher Wasser oder Saft zu sich nimmt, wird bestimmt auch ausgeruhter nach dem Flug sein.

Machen Sie sich auf alle Fälle bezogen auf Ihre geplante Reise schon frühzeitig schlau, notieren Sie sich ggf. aufkommende Fragen auf einem Zettel, den Sie zusammen mit Ihrem Reisepass und dem Impfausweis ablegen, so dass Sie diesen Zettel dann auch wiederfinden, wenn Sie zur reisemedizinischen Vorbereitung zu Ihrem Arzt gehen. Eine Reisevorbereitung ist immer eine völlig individuelle Angelegenheit und mit einem gut vorbereiteten Fragebogen ist es auch für Ihren Arzt einfacher, ebenso vergessen auch Sie nicht die Frage zu stellen, welche Sie doch schon immer mal beantwortet haben wollten.

So, nun auf zur nächsten Reiseplanung! Das TravelMedicus Team wünscht Ihnen eine schöne Vorfreude, sowie eine tolle Reise mit wunderschönen und unvergesslichen Erlebnissen und Erfahrungen.


(16.08.2010 - tho / update 07.03.2018)



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