"Neue Impfstoffe" gegen Malaria

Eine Frage gleich zu Beginn:

Für wen sind sie sinnvoll und wer hat einen wirklichen Nutzen davon?

Malaria ist eine durch Mücken übertragbare Infektion mit Parasiten, die in über 100 Ländern jährlich geschätzt etwa 200 Mio Menschen befällt (bei hoher Dunkelziffer).
Weltweit sterben Schätzungen zufolge zudem jedes Jahr etwa 600.000 Menschen an dieser Infektion (bei ebenso hoher Dunkelziffer) – vornehmlich sind dies Kinder im Alter von unter 5 Jahren.
Demnach sterben also umgerechnet von 100.000 erkrankten Personen etwa 300 an Komplikationen der Malaria (also statistisch gesehen 0.3%). Somit erscheint es auch nicht allzu verwunderlich, das Afrika bis heute nicht durch die „gefährliche“ Malaria entvölkert wurde (hier scheint der Mensch mit Waffengewalt und durch den Klimawandel leider effektiver zu sein).

Malaria

Jeder vermeidbare Todesfall ist ein Gewinn.

Die einfache Bevölkerung in Malaria-Endemiegebieten hat leider oft keinen Zugang zu einem adäquaten medizinischen Versorgungssystem. Zwar gibt es effektive Medikamente zur Behandlung von Malariainfektionen, jedoch hat der Großteil der betroffenen Personen dazu keinen Zugang – oder nicht die ausreichenden finanziellen Mittel.

Malaria ist eine Infektion, die mit Fieber einhergeht – und Fieber führt zu Schwitzen. Schwitzen wiederum führt zu einem Wasserverlust, der insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern bereits innerhalb von Stunden zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen kann.

In Regionen, in denen die Malaria zugegen ist, herrscht zudem eine hohe Armut und daher ist sauberes Trinkwasser oft bereits ein teurer „Luxus“. Auch dadurch erklärt sich, dass Menschen mit einer Malariainfektion unter diesen Bedingungen in der Folge durch Flüssigkeitsmangel und/oder ausbleibende medikamentöse Behandlungen versterben.

Das der lokalen Bevölkerung für jedes Glas eines „zucker- und kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränks im Hotel“ ein vielfaches an Grundwasser entzogen wird, soll in diesem Zusammenhang vielleicht nicht weiter vertieft werden.
Aber das eine adäquate und effektive medikamentöse Behandlung einer Malariainfektion vor Ort oft günstiger als die klassische Selbstbeteiligung der meisten Reisekrankenversicherungen ist, soll hier nicht unerwähnt bleiben – denn darüber machen sich die Wenigsten Gedanken.

Was tun viele Touristen?

Was tun viele „Touristen“, bevor sie in Malariaregionen reisen?

Sie geben vor der Abreise einen nicht unerheblichen Geldbetrag für eine reisemedizinische Beratung aus und kaufen danach sehr oft auch noch ein nicht gerade günstiges „Stand-By Medikament“, was zusammen schnell einen 3-stelligen €-Betrag ergibt.
Daneben kaufen sie bereits im Heimatland für nicht gerade wenig Geld auch noch mückenabweisende Repellents, Mückenschutznetze und sogar spezielle Kleidungsstücke – die auch mit ins Reisegepäck aufgenommen werden müssen (was bei dem berüchtigtem „21kg Limit“ durchaus zu berücksichtigen ist).

Zusammengefasst gibt also jeder Reisende in ein Malariagebiet bereits vor der Reise schnell über 100€ für einen nicht 100%igen Malaria-Schutz aus, wobei eine Malaria für ihn/sie im Falle einer Infektion und bei Nichtbehandlung eine Gefahr von maximal 0,3% darstellen würde.

Wenn diese Urlauber endlich im Urlaubsland angekommen sind, dann genießen sie zudem vor Ort gerne auch erstmal ein kühles, mit Kohlensäure versetztes, süßes Schwarzgetränk (aber das hatten wir bereits…).

"Recycling" mit Tücken

Zudem sind viele Urlauber derart „Verantwortungsbewusst“, dass sie vor der Rückreise aus dem Urlaubsgebiet ihre teuren und in aller Regel nicht benötigten Malariamedikamente „den armen Menschen vor Ort“ schenken.

Aber was sollen einheimische Familien vor Ort damit anfangen?
Sie werden es wahrscheinlich verkaufen oder es zurückhalten für den Fall, dass das schwächste Familienmitglied damit einmal „gerettet“ werden könnte – und das sind vornehmlich die Kinder. Aber gerade diese geschwächten Körper überleben einen unsachgemäßen Einsatz dieser Medikamente oftmals nicht – vermeidbare Todesfälle, die nicht der Erkrankung Malaria zugeschrieben werden können.
Genausowenig wie die Komplikationen infolge eines Trinkwassermangels, den wir beim Genuss unserer leckeren Brause nicht vorgesehen hatten…

Kosten und Nutzen - für wen?

Jedes Jahr kommt das Thema „Malariaimpfstoff“ neu in die Medien und viele Länder beteiligen sich finanziell mit nicht unerheblichen finanziellen Mitteln an dieser Strategie.
Aber wofür eigentlich?
Abgesehen davon, dass laut WHO die Todesfälle durch Malaria allein seit dem Jahr 2000 um 60% gesunken sind, gab es vor ein paar Tagen wieder mal einen Artikel zum Thema auf ProMED.
Mit vielen Zahlen wird der Leser dort verwirrt (z.B. 9 von 14 Studienteilnehmer stellen angeblich 55% dar, oder man führt 214 Mio Malariainfektionsfälle pro Jahr an mit 438.000 Todesfolgen – was eine Sterblichkeitsrate von „lediglich“ 0,2% ergibt).
Vergleichen wir diese Zahlen mit den Sterbefällen infolge von Influenza oder Masern – gegen die wir im Gegensatz zur Malaria bereits sehr effektive Impfungen und hohe Impfraten haben – dann bleibt die Frage, was wir mit dem ausgegebenem Geld für nicht benötigte Malariamedikamente, eigenhändig transportierte „Hilfsstoffe“ (z.B. überteuert gekaufte Repellents, Mückennetze, …) und die nicht wirklich benötigten Luxusgetränke in den Malariagebieten, wie z.B. das mehrfach dezent erwähnte schwarze Kaltgetränk, wahrlich würden bewirken könnten – anstatt damit den Pharmakonzernen und den Softdrink-Herstellern den Geldbeutel zu füllen?

Verantwortung

Was bedeutet Verantwortung – Für uns selbst und für andere?

Für wen soll der aktuell „beworbene“ Malariaimpfstoff letztlich eigentlich besimmt sein?
Etwa für die afrikanischen und asiatischen Kinder unter 5 Jahren?
Können diese überhaupt regelmäßig das nötige Geld für einen lediglich kurzzeitigen Schutz aufbringen (der bei der einheimischen Bevölkerung durch wiederholte Malaria Infektionen oft bereits auf „natürliche“ Weise gegeben ist)?

Ist es vielleicht möglich, dass wir durch solche „Wohltaten“ von den tatsächlichen Problemen und unserer Mitverantwortung für die Misere vieler afrikanischer Staaten abgelenkt werden – oder sind wir bereits „Lobbyisten- und Marketingstrategiegelenkt“?

Ein effektiver und ökonomischer Impfstoff gegen Malaria ist sicher keine schlechte Sache – aber nur dann, wenn dieser vornehmlich die besonders gefährdeten Personen in den Endemigebieten tatsächlich erreicht!

Ein solch gegenwärtiger Impfstoff darf jedenfalls nicht dazu herreichen, uns vergleichsweise Reichen – und nicht selten leider „kulturmissachtenden“ – Menschen der Gegenwart, als geldbezahlbare Malariaberuhigung zu dienen – welche zwar durch die Steuerzahler zusätzlich nicht unerheblich mitfinanziert wird, für die Menschen in Malariagebieten jedoch vermutlich trotzdem unerreich- und unbezahlbar bleiben wird.

(17.05.2016 - tho)

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