Amöbendurchfall ist einfach zu behandeln, wenn...

Irgendwann erwischt die (mit Verlaub!) „Scheiße“ wohl Jeden einmal – umso bedauerlicher ist es, dass nicht jeder Arzt angemessen damit umzugehen weiss, wenn dahinter „intestinale Infektionen durch Amöben“ stecken (auch bekannt als „Amöbenruhr“).

Durchfallerkrankungen sind immer unangenehm – und sie befallen nicht nur Reisende. Besonders unangenehm sind dabei langanhaltende, oft über Monate wiederkehrende Durchfälle, wie sie z.B. durch die vielgestaltige Gruppe der Amöben verursacht werden können.

Amöben sind Einzeller, die sich durch Veränderung ihrer Zellform fortbewegen können. Auf unserem Planeten können wir sie überall dort erwarten, wo es feucht ist – also nicht nur in den Tropen.
Das bestimmte Amöben auch in die Hornhaut der Augen und ins Gehirn einwandern und dort dann schwierig behandelbare Infektionen auslösen können, sei an dieser Stelle bewusst außen vor gelassen.

Wer von einem Amöben-Durchfall geplagt ist, möchte eigentlich nur wissen, wie man diesen unerfreulichen Zustand schnellstmöglich beendet und zusätzlich verhindert, dass er gar nicht erst chronisch wird.
Genau beim Thema „langanhaltend“ fehlt jedoch oftmals das Fachwissen zu einem wichtigen Fakt in Bezug auf eine effektive Therapie.

Zur Diagnostik wird stets eine Stuhlprobe ins Labor gegeben, wo sich Zysten (das sind umweltresistente Dauerformen) und / oder Trophozoiten (das sind die aktiven Formen) nachweisen lassen.
Zur Behandlung wird dann meist auf Tabletten mit dem Wirkstoff Metronidazol (alternativ auch Tinidazol, Ornidazol, Diphetarson) zurückgegriffen, welche vornehmlich gegen die Trophozoiten wirken – und nach ein paar Tagen geht es dem Patienten wieder gut.

Und spätestens dann sollte im Rahmen der Therapie eine Nachbehandlung erfolgen.

Laboruntersuchung in Equador
Nachweis Endolimax nana
Ausschluß Entamoeba histolytica/dispar

Ein paar Zysten (die sich im aktivierten weiteren Entwicklungszyklus zu aktiven Trophozoiten entwickeln) können nämlich noch im Darm vorhanden sein und auch diese müssen bekämpft werden – denn sonst besteht das Risiko, dass der ganze „Spaß“ wieder von vorne beginnt. Eine Eliminierung der Zysten kann mit Wirkstoffen wie z.B. Paromomycin oder Diloxanid-Furoat erfolgen.
Diese Nachbehandlung wird jedoch oftmals „vergessen“ – und damit ist es dann auch nicht verwunderlich, wenn die Durchfälle wiederkehren und die Erkrankung irgendwann chronisch werden kann.

Warum gerade jetzt diese Problematik?

Weil genau ein solcher Erkrankungsfall gestern auf unserem Tisch landete!
Seit Monaten wiederkehrende Durchfälle mit Nachweis der Zysten von Amöben im Stuhl – ohne dass bisher je eine entsprechende „Nachbehandlung“ erfolgt wäre.

Das Wissen hierzu ist in der Schulmedizin weltweit zwar schon lange bekannt, es wird aber leider noch immer nicht angemessen genutzt – und auch hier bei uns in Deutschland und Europa ist die Kenntnis dieser Fakten nicht immer voraussetzbar. Die Patientin hat sich in Deutschland in die Behandlungsobhut eines Arztes begeben, welcher mit einer Zusatzausbildung vom Centrum für Reisemedizin als Reisemediziner agiert. Zudem ist er als lehrender Mediziner an einer Fachhochschule tätig. Die effektive Behandlung wurde letztendlich – sogar nach wissenschaftlicher Faktenübermittlung an den Kollegen – dann dennoch von anderen Medizinern übernommen.

Unkenntnis aber darf zumindest hier bei uns – insbesondere im Zeitalter digitaler Informationstechnologie – nicht mehr als Ausrede einer unzureichenden Behandlung dienen.

Es gäbe eine Rechtfertigung

In Regionen, wo diese Infektionen gehäuft auftreten – wie z.B. in diesem Falle in der höchstgelegenen Hauptstadt der Welt (Quito/Ecuador) – gibt es jedoch einen durchaus nachvollziehbaren Grund, warum diese Nachbehandlung in dieser Form oft unterlassen wird.
Die Menschen dort infizieren sich häufig wiederkehrend, da sie den Erregern stetig ausgesetzt sind. Die hier angeführte „Nachbehandlung“ wird in diesen Regionen daher oft als „Prophylaxe“ eingesetzt, um eine Besiedlung mit Zysten zu verhindern.
Aber bei uns in Deutschland ist ein derartiges Agieren nicht zu entschuldigen.

Nachtrag

Am 10.04.2017 waren wir auf Einladung der Geschäftsleitung vom Thieme Verlag zu Besuch in Stuttgart. Thema war unsere medizinisch-wissenschaftliche Kritik am CRM Centrum für Reisemedizin. Zu diesem treffen war auch der wissenschaftliche Leiter des CRM, Herr Prof. Dr. T. Jelinek geladen. Das CRM ist ein Fachinstitut der Thieme Verlagsgruppe, an die wir uns Anfang 2017 gewandt hatten.
Während der wissenschaftliche Leiter des CRM in diesem etwa 4,5 Stunden des Miteinanders keinen einzigen von uns vorgetragenen Fehler widerlegt hat, trug er beim Vorwurf der patientengefährdenden hier zuvor geschilderten Amöbiasisbehandlung vor, er würde es bei einem Patienten heute wieder genau so wie es der "von uns kritisierte Kollege" machen...

(29.04.2016 - tho - Update 20.04.2017 - tho)

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