Fleischallergie durch Zecken

Muss ich nun auch noch eine „Fleischallergie durch Zecken“ fürchten?

Da ist die „Zeckensaison“ noch gar nicht richtig vorbei und schon muss man sich auch bei durchaus respektablen Informationsquellen wie ProMed die Frage nach dem allzeit beliebten Sommerloch (Herbstloch?) stellen.
Dort wird am 11. Oktober 2016 vor der Gefahr einer „schweren und potentiell lebensbedrohlichen Fleischallergie“ im Zusammenhang mit Zecken-Bissen gewarnt. Als Quelle wird „The Guardian“ genannt. Eine zugegebenermaßen nicht als wissenschaftliches Fachjournal bekannte Publikation.

Vermutlich handelt es sich bei der beschrieben Thematik um die sogenannte „Alpha-gal Allergie“. Dies ist eine postulierte immunologische Reaktion nach Zecken-Biss auf ein Kohlenhydrat (in schlau: Galaktose-1,3-alpha-Galaktose) verschiedener Organismen (inkl. vieler Säugetiere).
Sogar in der (englischsprachigen) Wikipedia gibt es einen Eintrag. Bevor dort jedoch der Text beginnt, wird erst einmal eine Warnung bzgl. des Qualitätsstandards angezeigt!

Die direkte Assoziation von Zecken-Bissen zu einer „lebensbedrohlichen Fleischallergie“ ist jedenfalls bislang nur dürftig belegt. Erste beschriebene Fälle von anaphylaktischen Reaktionen stammen von Krebspatienten, die mit bestimmten monoklonalen Antikörpern behandelt wurden und zudem Antikörper gegen Alpha-gal aufwiesen.

Die gute Nachricht:

Bei allzu großer Angst vor Zecken kann ich immer noch zum Kannibalen umschulen. Alpha-gal wird nämlich von Menschen und Altweltaffen nicht synthetisiert. Dann müsste ich allerdings im Gegenzug wiederum an Kuru denken – was eigentlich ohnehin schon viel zu lange nicht mehr Thema in den Medien war.

Bei Vögeln, Reptilien und Fischen ist das entsprechende Epitop nicht ausgebildet – also ist eigentlich auch für jeden zartbesaiteten Fleischfresser immer noch etwas zum Grillen dabei.
Vegetarier haben es sogar noch einfacher…

Fazit:

Für ein faktisches Krankheitsbild fehlen bisher einfach solide wissenschaftliche Basisdaten.

Die wirklich bedeutende Frage ist ohnehin nicht, ob es hierbei tatsächlich eine immunologische Reaktion im Sinne einer Allergie gibt – sondern vielmehr, ob man diese wissenschaftlich durchaus interessante Frage wirklich bei der derzeitigen Faktenlage in dieser Weise in die breite Öffentlichkeit tragen muss.

Nein, muss man natürlich nicht.

Oder – für verantwortungsvolle Individuen – sollte bzw. darf man nicht.

Sonst noch was?

Angst vor‘m Sommerloch (Herbstloch)? Dann empfehlen wir Ihnen für den kleinen infektiologischen Schauer zwischendurch z.B. die Lektüre des kleinen Leberegels (Dicrocoelium dendriticum), inkl. Hirnwurm.
Hinweis: Beim Quartett sticht „Hirnwurm“ die „Fleischallergie“ allemal!

(11.10.2016 - red)

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