Druckausgleich beim Fliegen

Das Knacken im Ohr!

Besonders in der Start- und Landephase kennen viele von uns das bei manchen recht unangenehme "Knacken im Ohr" und das Schreien von Kleinkindern besonders beim Landeanflug (in der Startphase herrscht oft eine solche Unruhe und Angespanntheit im Flieger, dass viele das Kindergeschrei - welches hier vornehmlich durch Hektik, fremde Umgebung und das "Fixieren mit Gurten" begründet ist - fast gar nicht wahrnehmen).

Tipps gibt es viele, aber was passiert da genau?

Auch mit den neuen und topmodernen Flugzeugen kann es heute noch im Flugzeug (besonders beim Vorliegen von Erkältungskrankheiten mit Schwellungen der Schleimhäute) zu zum Teil recht schmerzhaften Problemen kommen.

Beim Start und dem darauffolgenden Steigflug, nimmt der Kabinendruck ab. Dabei läuft der Druckausgleich zum Ohr als passiver Vorgang über die sogenannte Eustachische Röhre (eine Verbindung zwischen dem Mittelohr und dem Rachenraum) ab.

Durch Schlucken, Kaubewegungen, Gähnen oder Saugen, oder auch durch das sogenannte "Valsalva-Manöver" (dem Zuhalten von Mund und Nase und dem Pressen bei geschlossener Stimmritze) wird dabei dann versucht, diesen Druckausgleich zum Mittelohr über die Eustachische Röhre herzustellen. Nasensprays mit schleimhautabschwellender Wirkung können dabei ggf. unterstützend eingesetzt werden.

In den Nasen- und Stirnhöhlen erfolgt der Druckausgleich in der Regel ohne größere Probleme.

Ein besonderes Problem stellt der Druckausgleich aber für Säuglinge und Kleinkinder dar.

Mit dem Beginn des Sinkfluges sollten sie daher unbedingt wach sein und keinesfalls schlafen.

Beim Sinkflug (z.B. zur Landung) handelt es sich mit dem zunehmenden Kabinendruck um einen aktiven Vorgang.

Das Stillen, Trinken und je nach Alter des Kindes ggf. auch das Lutschen von Bonbons oder Kauen von Gummibärchen, unterstützen den Druckausgleich zum Mittelohr.

Auch können hier notfalls abschwellende Nasentropfen hilfreich sein, jedoch lediglich als zusätzliche Maßnahme in besonderen Situationen wie z.B. bei akuten Erkrankungen.

Selten kann es bei Reisenden in den Phasen der Druckveränderung auch zu sogenannten Barotraumen durch Gaseinschlüsse, z.B. bei fehlerhaften Zahnfüllungen, nach Augenoperationen oder bei Personen mit einem Pneumothorax oder einem Gasgangrän, kommen. Schon aus diesen Gründen sollte man vor einer Flugreise daher nicht nur den Hausarzt und/oder den Tropenmediziner aufsuchen, sondern seinem Zahnarzt auch mal kurz einen Besuch abstatten und ihn auf die geplante Reise aufmerksam machen. Dies gilt insbesondere für Personen, die sich auf eine Tauchreise begeben.

Insgesamt gilt:

Nur keine Panik!
Achten Sie darauf, stets ausreichend Flüssigkeit vor Start und Landungen im Körper zu haben.
Bei Kindern sollten diese zum Einen auch ausreichend Flüssigkeit im Körper haben, zum Anderen beschäftigen Sie die Kleinen und geben Sie ihnen bei Start und Landung stets etwas zum Schlucken oder Kauen.

Jetzt wünschen wir noch viel Vorfreude und viel Spaß auf der nächsten Reise!


(27.08.2010 - tho)

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