"Sommerzeit ist Zeckenzeit"

Dieser oft gehörte Spruch ist zwar nur bedingt wahr (das Auftreten von Zecken variiert nämlich regional und saisonal bei den verschiedenen Arten oft stark), aber durchaus ein Anlass für eine kurze Übersicht zu Zecken und durch Zecken übertragbaren Erkrankungen.

Zecken sind blutsaugende Milben, die diverse Tierarten und den Menschen befallen können. Beim Blutsaugen können verschiedene Krankheitserreger durch die Zecken als Vektoren übertragen werden.
Die Erreger befinden sich dabei vornehmlich im Verdauungstrakt (dann findet eine Übertragung oft erst nach mehreren Stunden statt) oder den Speicheldrüsen (dann ist eine schnelle Übertragung möglich) der Zecken.

Am vorderen Körperabschnitt (Gnathosoma) mit den Mundwerkzeugen und Gliedmaßen, sitzt ein Paar Kieferklauen (Cheliceren), mit denen die Zecke die Haut und die darunterliegenden Kapillargefäße des Wirtes einritzt um mit dem Hypostom (Mundfeld) Blut zu saugen.
Gern wird diskutiert, ob es sich beim Blutsaugevorgang um einen Biss (das Einritzen mit den Cheliceren, obgleich des Fehlens eines vollständigen Kiefers) oder einen Stich (das Saugen mit dem Hypostom, obgleich des Fehlens eines dezidierten Stichapparates) handelt. Von Zoologen wird der Begriff "Stich" bevorzugt und Zecken zu den Telmophagen (Poolsaugern) gerechnet - im Gegensatz zu den Solenophagen (Kapillarsaugern), zu denen z.B. die Stechmücken gehören.

Blut muss fliessen

Vor der Blutmahlzeit werden von der Zecke oft ein Klebstoff zur besseren Anhaftung ihres Körpers am Wirt, sowie verschiedene Wirkstoffe (z.B. zur Gerinnungshemmung, Schmerzlinderung und Entzündungshemung) mit dem Speichel abgegeben. Bereits hierbei können im Speichel der Zecken vorhandene Erreger übertragen werden (z.B. Viren der TBE Gruppe, zu der auch die FSME gehört).

Während der Blutmahlzeit kommt es zur Rückgabe von Nahrungsbestandteilen (Regurgitation) von der Zecke an den Wirt. Dabei können Erreger übertragen werden, welche sich im Verdauungstrakt der Zecken befinden (z.B. die Erreger der Lyme-Borreliose). Dies geschieht oft erst nach mehreren Stunden (etwa 8-36h sind beschrieben).
Daher kann eine rasche Entfernung von Zecken die Übertragung dieser Erreger verhindern.

Zeckenbisse werden oft nicht bemerkt. Dies liegt vornehmlich an den schmerzlindernden Substanzen in Speichel, aber auch daran, dass die Nymphen (blutsaugende Larvenform, mit oft hoher Erregerlast) von Zecken im Gegensatz zu den ausgewachsenen Tieren so klein sind (oft etwa 1mm), dass sie auf der Haut optisch gar nicht auffallen.

Die Dauer einer Blutmahlzeit kann dabei je nach Zeckenart, Geschlecht und Entwicklungsstadium stark variieren (von etwa 30min bis zu mehreren Wochen).

Vorkommen und Verbreitung von Zecken

Die insgesamt etwa 900 beschriebenen Zeckenarten kommen weltweit in Regionen vor, wo sich passende Lebensräume und Wirte (zu denen der Mensch eher selten gehört) befinden. Das Vorkommen ist oft auf regionale Lebensräume und die Haupt-Aktivität auf eine bestimmte Jahreszeit beschränkt.

Zecken warten typischerweise auf niedriger Vegetation (z.B. Gräser, Büsche) auf einen vorbeistreifenden Wirt, den sie z.B. durch Chemorezeptoren (u.a. Erkennung von Kohlendioxid oder Schweiß durch das Hallersche Organ), Vibrationen, sowie Helligkeitswechsel erkennen. Einige Zecken suchen auch aktiv nach einem Wirt.

Persönliche Prävention in Risikogebieten

  • Tragen von den Körper bedeckender Kleidung (lange Hosen, lange Ärmel, ggf. Mütze). Klassische Wanderer ziehen zudem nicht ohne Grund die Socken über die Hose, da den Zecken so ein hineinkriechen erschwert wird.
  • Verwendung von Repellents wie DEET (30%). Wirkdauer etwa 5-6h (praktisch aufgrund von Transpiration und „Abrieb“ oft geringer).
  • Auf Kleidungsstücken und Oberflächen können z.B. Pyrethroide angewendet werden.
  • Nach Aufenthalt in Risikogebieten vollständiges Absuchen des Körpers und der Kleidung nach Nymphen und Zecken.
  • Zecken und Nymphen sind auf heller Kleidung leichter zu sehen als auf dunkler Kleidung.
  • An Haustiere mit Aufenthalt im Freien denken (auch hier Repellents und Absuchen nach Zecken und Nymphen).

Entfernung von Zecken

  • Vorsichtiges Greifen mit der Pinzette direkt über der Haut und Entfernung durch langsamen und gleichmäßigen Zug (kein Quetschen, Drehen oder Reißen!). Verbleiben Reste des Kopfapparates der Zecke in der Wunde, ggf. chirurgische Entfernung derselben.
  • An Säuberung und Desinfektion der Wunde nach Entfernung denken.
  • Kein beträufeln der Zecke mit Ölen, Lösemitteln, Alkohol o.ä., da hierdurch das Risiko einer Erregerübertragung erhöht werden kann!

Beispiele durch Zecken übertragbarer Erkrankungen

Grund zur Panik?

Bevor man nach einem Zeckenbiss in Panik verfällt, sollte stets bedacht werden, dass nicht jede Zecke – auch nicht in Risikogebieten – mit Erregern befallen ist und nicht jede Infektion zu einer Erkrankung führt. Viele Erkrankungen können bei rechtzeitiger Diagnose gut behandelt werden. Gegen Erreger wie z.B. FSME stehen zudem Impfstoffe zur Verfügung.

Wichtig ist also wie so oft: Dran denken!


Letztes Artikelupdate: 05.07.2017 - grol



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