Centrum für Reisemedizin & Fachkompetenz?

Wohin, wenn's um die nächste Reise geht?

Egal, ob mit oder ohne Vorerkrankung, vor einer Reise in die Ferne möchte man auch reisemedizinisch gut vorbereitet sein.

Aber wo bekomme ich eine gute Beratung wenn es um das Thema geht?

Wir hatten es ja einmal getestet für Sie [LINK].

Was geschah seither?

Am 10. April 2017 haben wir uns auf den Weg nach Stuttgart gemacht. Unser Reiseziel war der Thieme Verlag, der zu den führenden Anbietern von Büchern, Zeitschriften, elektronischen Medien und Dienstleistungen rund um Medizin und Gesundheit gehört.

Die Aufgabe der über 900 Thieme Mitarbeiter an verschiedenen Standorten in Deutschland, in New York und Delhi sei es laut Selbstdarstellung, „vorliegendes Expertenwissen für entsprechende Zielgruppen auszuwählen, zu gestalten und in didaktische Konzepte zu übertragen, um es so anwendbar zu machen.

Warum nach Stuttgart?

Bereits im Jahr 2015 waren uns in einer Fortbildung des der Thieme Verlagsgruppe zugehörigen Unternehmens CRM (Centrum für Reisemedizin) verschiedene Fehler selbst in Basisangaben aufgefallen. Daraufhin hatten wir den Wissenschaftlichen Leiter Herrn Prof. Dr. T. Jelinek kollegial auf einige der uns aufgefallenen Fehler schriftlich und mit Angabe begründender Fakten hingewiesen. Dieser hat jedoch uns gegenüber nie auf diesen Hinweis reagiert.

2016 erlangten wir Kenntnis von einer patientengefährdenden Behandlungsverzögerung, welche durch einen vom CRM fach-fortgebildeten Arzt erfolgte. Dieser handelte berufend auf die Informationen vom CRM (ohne auf anderslautende internationale Empfehlungen einzugehen), welche wir in der Folge im seit über 50 Auflagen erscheinenden „Standardwerk zur reisemedizinischen Beratung“, dem CRM Handbuch Reisemedizin 2016, dann dort auch derart fehlerhaft vorfanden. Dabei fanden wir alleine bei nur kurzer Betrachtung von 4 aufeinander folgenden Seiten über 70 Fehler.

Dies haben wir sowohl dem wissenschaftlichen Leiter des CRM, als auch dem Geschäftsführer des CRM, Herrn L. Münnix schriftlich zugetragen. Eine inhaltsbezogene Rückmeldung haben wir nie erhalten.
Daraufhin haben wir uns das im Januar 2017 erschienene CRM Handbuch Reisemedizin 2017 gekauft, um zu sehen, ob dort wenigstens die von uns vorgebrachten Fehler berichtigt wurden.
Leider war dem nicht so!

Wir wendeten uns daher direkt an die Geschäftsleitung des Thieme Verlages, um eine Lösung der Probleme in Gang zu bringen. Die Geschäftsleitung des Thieme Verlags lud uns in der Folge zu einem Fachgespräch in das Stammhaus nach Stuttgart ein.

Verschlimmbesserung

Es bleibt fraglich, warum das CRM selbst bei Fehlerhinweisen die Fehler nicht erkennen mag und bei der Verbesserung neue Fehler einbaut...

Unser gestecktes Ziel

Unser Ziel dabei war einfach beschrieben:
Das CRM Handbuch Reisemedizin und die Fortbildungsveranstaltungen des CRM sollten keine potentiell patientengefährdenden Empfehlungen mehr enthalten und u.a. sollten Fehler in taxonomischen Angaben, Fehler in der medizinischen Terminologie, Fehler bei Diagnose- und Behandlungsempfehlungen, sowie Fehler in den Länderinformationen,, ausgeschlossen oder zumindest auf ein absolutes Minimum reduziert werden.

Lösungsvorschlage hierzu hatten wir im Zuge unserer Vorbereitung auf dieses Treffen erarbeitet und mit dabei.

Zu diesem Treffen wurden seitens der Thieme Geschäftsleitung auch Herr Münnix als CRM Geschäftsführer und Herr Prof. Jelinek als wissenschaftlicher Leiter des CRM geladen. Wir erachteten diese Entscheidung der Thieme Geschäftsleitung als „unglücklich“, denn die CRM-Verantwortlichen konnten unsere ihnen bereits in 2015 und 2016 zugetragenen und hier auf unserer Webseite publizierten Fehler bisher nicht widerlegen.

Da ein solches Aufeinandertreffen derart vorbelastet war und auf faktischer als auch persönlicher Ebene erhebliches Konfliktpotential bereithielt, hatten wir im Vorfeld angemerkt, dass die Anwesenheit der CRM-Verantwortlichen bei unserem Gesprächstermin mit dem Verlag aus unserer Sicht nicht zielführend würde sein können.

Faktencheck

Der Wissenschaftliche Leiter des CRM, welches sich als "Fachinstitut der Reisemedizin" darstellt, hat bei dem Treffen keinen einzigen der von uns vorgebrachten Kritikpunkte faktisch widerlegt. Auch wurden keine Belege für die "Richtigkeit der CRM publizierten Inhalte" vorgebracht.

Da in unserem Gespräch mit den verantwortlichen Personen des CRM wie von uns befürchtet, eine faktische Auseinandersetzung nicht zustande kam und man unseren Ausführungen fachlich auch nicht mehr folgen konnte, haben wir unseren Vortrag (eine Präsentation mit über 70 Folien) abgebrochen und nach knapp 4,5 Stunden eines fachlichen Gesprächsversuches das Treffen beendet.

Als „Legitimation für die Richtigkeit" der Inhalte des CRM führte Herr Prof. Jelinek in der Gesprächsrunde lediglich seine Mitgliedschaft in diversen Fachverbänden, Fachgremien und Institutionen an.

Aber reicht es tatsächlich aus, Mitglied in einem Fachverband (rechtlich meist ein Verein e.V., ohne besondere „Deutungshoheit“), einem Fachgremium (also eine Gruppe von individuellen Personen zum Thema „X“) oder einer Institution (Institut darf sich Jedermann nennen) zu sein, um hieraus die Kompetenz abzuleiten, gegen aktuelle wissenschaftlichen Erkenntnisse publizieren und weiterzubilden zu können? Steht angesichts des gezeigten Agierens vielleicht gar zu befürchten, dass ein „Zusammenschluss Gleichgesinnter“ zu einer Selbstüberschätzung und einem Ausblenden von grundlegenden Fakten und wissenschaftlichen Erkenntnissen beiträgt?

Lšnderinformationen fehlerhaft

Zwei Menschen - ein Land - zwei nicht unbekannte Erkrankungen:
Poliomyelitis und Lepra.
Die Lšnderinfos des CRM verschweigen diese Infektionskrankheiten z.B. in Indonesien.

Unser Fazit

Wir sind angesichts unserer mit dem Besuch verknüpften Zielsetzung jedenfalls sehr enttäuscht aus Stuttgart abgereist. Wir haben erfahren müssen, wie mangelhaft sich die Fachkenntnis beim CRM selbst bei vorbekannter Kritik darstellte, bei gleichsam sehr hoher Selbsteinschätzung des CRM.

Sicher waren auch die Verantwortlichen des Thieme Verlags nicht glücklich mit dem Ausgang des Treffens.
Seitens der Thieme Geschäftsleitung und der Bereichsleitung Medizin war man für uns ersichtlich, ehrlich und freundlich bemüht, die Problematik zu lösen und zwischen uns und dem CRM positiv vermitteln zu wollen.zusammenraufen“.

Dazu kam es jedoch nicht.

Bezüglich des CRM Centrum für Reisemedizin müssen wir aufgrund unserer hier geschilderten Erfahrung Informationssuchende zum Thema Reisemedizin dringend davor warnen, sich auf Publikationen, Hinweise oder sonstige Informationen vom CRM ungeprüft zu verlassen und raten daher, auf andere Quellen zurück zu greifen.

Medizinern, Apothekern und behördlichen Verantwortlichen, welche auf Inhalte des CRM zurückgreifen, empfehlen wir gleichsam unbedingt mindestens noch eine weitere Quelle hinzu zu ziehen, bevor sie Empfehlungen Dritten gegenüber aussprechen. Daneben sollten sie das CRM als Ganzes fachkritisch und sorgfältig hinterfragen.

Ein "düsterer" Ausblick

Auch wenn stillschweigend akzeptierte Fehler in den Informationen des CRM immerhin in Teilen verbessert wurden, so geschah auch dies nur "halbherzig".
Dies zeigt sich u.a. am Beispiel der falschen Schreibweise des Krankheitsbildes Angiostrongyliasis. Das CRM hat dies in ihrem Handbuch 2017 mittlerweile zwar berichtigt und ent-„O“‘t abgedruckt - aber auch nach über einer Woche nach dem gemeinsamen Termin in Stuttgart und unserem nochmaligen Hinweis hierauf, ist der Fehler auf der Webseite des CRM weiterhin zugegen (Stand: 19.04.2017).

Angesichts der vor Ort erlebten Fehlerkultur und des bisherigen (nicht-) Agierens seitens des CRM ist für uns daher nicht zu erwarten, dass eine adäquate Korrektur der bemängelten und erst recht bei den von uns noch nicht dargelegten Fehlern, durchgeführt werden kann.
Schließlich sind diese Fehler bisher niemandem beim CRM oder deren in der Danksagung genannten Unterstützer aufgefallen – und das nach sage und schreibe 53 Ausgaben des „CRM Handbuch Reisemedizin“!

Dass es bei den weiteren Unterlagen und Fortbildungen des CRM anders aussehen wird, ist daher ebenso wenig zu erwarten.
Wenn der wissenschaftliche Leiter des CRM offenbar nicht in der Lage ist unseren Ausführungen und Fehlererklärungen zu folgen, bzw. zumindest die vorbekannten Vorwürfe fachlich-kompetent zu entkräften, woher sollte er nun plötzlich die Kompetenz haben, die vorgebrachten Fehler zu korrigieren und weitere Fehler überhaupt zu finden?!
Wir haben von einem Vorhandensein solcher Kompetenz jedenfalls nichts bemerkt.

Nichtsdestotrotz würden wir uns spätestens mit Erscheinen des „CRM Handbuch Reisemedizin 2018“ gerne vom Gegenteil überzeugen lassen. Sollte sich unser düsterer Ausblick nicht bewahrheiten, so werden wir uns selbstverständlich angemessen beim CRM für diese Negativprognose entschuldigen.


Wir halten uns jedenfalls an ein Motto der Airline, mit der wir nach Stuttgart reisen durften und nach wie vor an Sam Beckett.

Nachtrag:

12.05.2017
Wir schliessen das Thema Centrum für Reisemedizin und Thieme Verlag nun mit der folgenden Erkenntnis ab: "Mit wissenschaftlich fundierter Medizin hat das was dort passiert, nichts zu tun!"
Auf TravelMedicus befassen wir uns ausschließlich mit auf wissenschaftlichen Fakten basierender Medizin.
Für "Alternative Fakten in der Medizin" haben wir keine Zeit.


(18.04.2017 - tho & grol / 12.05.2017 - tho)

Der Rückblick:

Fehlerhafte Unterlagen bei Fortbildung


Fehlerhaftes "Fachbuch 2016"


Mangelhafte Behandlung 2016


Fehlerhaftes "Fachbuch 2017"

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