Ist das Zika Virus eine echte neue Gefahr?

Gefährliche "Modeviren"

Zur Fußball WM in Brasilien 2014 wurde das Denguevirus in den Medien zur „neuen weltweiten Lebensgefahr“ erkoren, nachfolgend kam die Ebola-„Krise“ und jetzt soll angeblich das Zikavirus die Welt bedrohen…

Dengue

Dengue-Erkrankungen wurden bereits im Jahr 1635 in Französisch Westindien und 1699 in Panama beschrieben. Das Synonym „Knochenbrecher-Fieber“ wurde bei einem Erkrankungsausbruch im Jahr 1780 in Philadelphia/USA von der lokalen Bevölkerung geprägt. Der heutige Name „Dengue“ bedeutet übersetzt aus dem Suaheli „Kidanga pepo“ so viel wie „Plötzlicher Befall durch einen Geist“ und stammt von einem Ausbruch der Infektion auf den großen Antillen aus dem Jahr 1827.

Die erste Isolation von Dengue-Viren erfolgte im Jahr 1943.
Ein so „altes Virus“ wird in unserer modernen Welt doch nun ganz sicher nicht plötzlich die Menschheit dahinraffen.

Filoviren

Ebola- und das Marburg-Virus sind jünger und bilden die biologische Familie der Filoviren. Während das Marburg-Virus erstmals im Jahr 1967 beschrieben wurde (damals infizierten sich 19 Labormitarbeiter in den Städten Marburg, Belgrad und Frankfurt, die Organe von Grünmeerkatzen aus Uganda zur Herstellung von Impfstoffen gegen Poliomyelitis bearbeiteten), wurde das Ebola-Virus erst 10 Jahre später im Jahr 1977 nach einem vorherigen Krankheitsausbruch 1976 nahe des Flusses Legbala (belgisch: l’Ebola) in Zaire (heute DR Kongo) beschrieben. Seither sind diverse Erkrankungsausbrüche primär in Zentralafrika beschrieben.

Weitere zur Familie der Filoviren gehörende Erreger wurden an der Elfenbeinküste, in Uganda, auf den Philippinen und in China nachgewiesen.

Auch das Ebola Virus ist nicht plötzlich gefährlicher geworden. Die Gefahr einer Verbreitung geht vornehmlich von Menschen aus, die das Virus „besuchen“ (auch z.B. Afrika-unerfahrene Reisende und medizinisches Personal auf „Hilfsmission“) und die das Virus akut zu uns „holen“ (z.B. wenn wir selbige Helfer nach einer Infektion bewusst mit dem Flugzeug für eine Behandlung "zuhause" zurückholen).

Bei beiden Erkrankungen, also sowohl bei Dengue, wie auch bei Ebola, haben wir noch keine spezifische medikamentöse Therapie und wer mal „in die Tiefe geht“ wird feststellen, dass unsere medizinischen Fähigkeiten bei den Behandlungen von Virusinfektionen insgesamt sehr beschränkt sind.

Zika Virus

Nun plötzlich ist das „Zika-Virus“ laut Medien zu einer weltweiten Bedrohung geworden. Aber mal ehrlich - wie wahrscheinlich ist das wirklich bei einem Virus, welches bereits im Jahr 1947 erstmals aus Rhesusaffen im Zika-Forest in Uganda (im Rahmen von Erforschungen des Gelbfiebers) und aus Menschen im Jahr 1952 in Uganda und Tanzania isoliert wurde und für das seit 60 Jahren kein Todesfall berichtet wurde?

Auch beim Zika-Virus haben wir keine spezifische medikamentöse Therapie, sondern machen es ebenso wie bei den zuvor beschriebenen Virusinfektionen Dengue und Ebola, wo wir auch nur die Symptome zu lindern versuchen. Zudem verläuft die Infektion meist asymptomatisch oder als milde und unspezifische Erkrankung.

Das Zika Virus breitet sich seit 2014 tatsächlich rasant über Lateinamerika aus. Laut aktuellen Zahlen sei es in Brasilien zu einer ver-30-fachung von Mikrocephalie bei Neugeborenen gekommen, mit derzeit etwa 3.900 gemeldeten Fällen. Ein zeitlicher Zusammenfall dieser Ereignisse ist jedoch kein Beweis einer Ursache-Wirkung Beziehung und es ist durchaus möglich, dass die statistische Zunahme auf einer erhöhten Diagnose- und Melderate beruht. Hinzu kommt, dass bisher nur bei 6 der Fälle der Nachweis des Zika Virus bei den betroffenen Kindern beschrieben wurde und ein Nachweis des Virus ist kein Beweis als Ursache.

Tatsächlich gibt es bisher auch keinen wissenschaftlichen Beweis eines Zusammenhangs der Infektion von Schwangeren mit dem Zika Virus und einem vermehrten Auftreten von Mikrocephalie bei Neugeborenen.

Trotzdem sieht sich das CDC als Vorsichtsmaßnahme genötigt, eine Reisewarnung für Schwangere in diverse Länder herauszugeben und die WHO überlegt einen PHEIC (Public Emergency of International Concern) auszurufen.

Mal ehrlich...

Man könnte meinen, aus der letzten großen „Viruspanik“ seien keine Lehren im öffentlichem Umgang mit Infektionserkrankungen gezogen worden – denn der letzte PHEIC wurde von der WHO am 8. August 2014 im Rahmen des Ebola-Ausbruchs in West-Afrika ausgerufen. Dabei kam es in Folge der ausgelösten Panik zu einem weitgehenden Zusammenbruch des öffentlichen Lebens in den betroffenen Gebieten.

Wann ist eine Infektionskrankheit überhaupt „gefährlich“? Dazu hier ein kurzer Vergleich:

  • Malaria – jährlich infizieren sich weltweit etwa 214 Mio Menschen und es kommt dabei zu 400.000 bis 600.000 assoziierten Todesfällen.
  • Grippe/Influenza – jährlich infizieren sich weltweit 5-10% der Erwachsenen und 20-30% der Kinder und es kommt dabei jährlich zu bis zu 500.000 assoziierten Todesfällen.

Jetzt bleibt die Frage an Sie:

Wie groß ist Ihre Angst vor eine „Grippe“, was unternehmen Sie bei Reisen in Malariaregionen zum Schutz vor einer Ansteckung und welche Angst suggerieren die Medien Ihnen gegenwärtig bezogen auf das Zika Virus?


(29.01.2016 - tho/grol)



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