Meine fachlichen Erfahrungen mit dem RKI

2015 - Uniklinik Kiel

Es war Ende Januar 2015, als ich aus Asien nach Hause zurückkehrte und dann sah ich im Fernsehen eine Pressekonferenz der Universitätsklinik Kiel, wo es seit Dezember 2014 einen Ausbruch mit dem Erreger Acinetobacter baumannii gab. Es gab bereits 31 nachgewiesene Infektionsfälle und 12 assoziierte Todesfälle.
Weder die Fahleute der Universitätsklinik, noch die Spezialisten des Robert Koch Institutes, ebenso konnte auch kein Landesgesundheitsministerium der vielen Bundesländer hier helfen und auch extra angeforderte Spezialisten brachten den Erregerausbruch nicht zum Stillstand.
Ich schaute etwas verwundert und dachte an eine Satiresendung...
Dann aber setzte ich mich kurz einmal an den PC und schrieb den zuständigen Kollegen der Uni Kiel eine kurze Email, auf die ich unmittelbar eine Antwort erhielt. Ich gab den Kollegen meine flink zusammengeschriebene Expertise und 24 Stunden später hatte man meine Empfehlung umgesetzt und nach weiteren 48 Stunden konnte der Ausbruch für beendet erklärt werden.

Was hatte ich ihnen gegeben? Lediglich das von Wissenschaftlern weltweit erschaffene Fachwissen zum Erreger "Acinetobacter baumannii".

IfSG 2014 - 2019

Seit Beginn der "Flüchtlingskrise" Ende 2014 habe ich wiederholt und stets vergeblich versucht, bei zuständigen Landes- und Bundespolitikern, wie auch beim Leiter des RKI Gehör zu finden. Ich wollte mit wissenschaftlichen Belegen darauf hinweisen, dass der gemäß IfSG geforderte Nachweis einer Nichtansteckungsfähigkeit bei Tuberkulose durch ein verpflichtendes Röntgenbild unsinnig - weil unmöglich - ist.

2016 habe ich dann eine Rückmeldung eines Bundespolitikers erhalten, welcher mich um eine Erläuterung meines Antrages auf Änderung des IfSG erbat. Dieser rhetorisch sehr pfiffige Politiker ist Jurist, hat meine Erklärungen aber unmittelbar nachvollziehen können und das Thema in den zuständigen Fachausschuss überwiesen.
Für diesen Fachausschuss - der u.a. auch Mitglieder des RKI beinhaltet - habe ich ein entsprechendes, wissenschaftliches Papier für die Gesetzesänderungssitzung im Jahr 2017 verfasst, mit allen wissenschaftlichen Belegen.
Mein Änderungsvorschlag wurde abgelehnt.


Die Ablehnungsbegründung konnte selbst der Bundespolitiker (Jurist) nicht nachvollziehen und so involvierte er unsere Bundeskanzlerin und mein Ersuch wurde für die entsprechende Sitzung im Jahr 2018 nochmals auf die Agenda des Fachausschusses gesetzt.
In dieser Sitzung wurde dann meine Forderung übernommen und das IfSG wurde zum 01. Januar 2019 entsprechend geändert in Kraft gesetzt.

Artikel 6
Änderung des Infektionsschutzgesetzes
Das Infektionsschutzgesetzes vom 20. Juli 2000 (BGBl. I S. 1045), das zuletzt durch Artikel 1 des Gesetzes vom 17. Juli 2017 (BGBl. I S. 2615) geändert worden ist, wird wie folgt geändert:
1. § 36 wird wie folgt geändert:
a) Absatz 4 wird wie folgt geändert:
aa) In Satz 3 werden nach dem Wort "Lunge" die Wörter "oder auf eine andere von der zuständigen Behörde zugelassene Untersuchungsmethode" eingefügt.
bb) In Satz 4 werden die Wörter "dass nach sonstigen Befunden" durch die Wörter "mit dem durch eine andere von der zuständigen Behörde zugelassene Untersuchungsmethode nachgewiesen wird, dass" ersetzt.

Zu Nummer 1
(§ 36 IFSG)
Zu Doppelbuchstabe aa
Künftig soll es der zuständigen Behörde nach § 54 IfSG möglich sein, (auf Grundlage von Empfehlungen des RKI und von Fachgesellschaften) anzuordnen, dass das vorzulegende ärztliche Zeugnis sich nicht mehr ausschließlich auf eine erstellte Röntgenaufnahme der Lunge stützen muss, sondern auch andere Untersuchungsmethoden zulässig sein können. Damit können in Zukunft auch latente Infektionen (also akut nicht ansteckungsfähige, aber ggf. im Laufe des Lebens sich zu aktiven Infektionen entwickelnde) Lungentuberkulosen nachgewiesen und ggf. behandelt werden.

Lyme-Krankheit 2019

26.04.2019 - Reklassifikation des "Borrelia burgdorferi sensu lato Komplex" in das Genus "Borreliella"
Im Epidemiologischen Bulletin des RKI wird eine aktualisierte Fassung des RKI-Ratgeber "Lyme-Borreliose" publiziert, welche veraltete und fehlerhafte Schreibweisen beinhaltet.
Im Jahr 2015 wurden die Erreger der Lyme Krankheit offiziell reklassifiziert.
Die zuvor im Borrelia burgdorferi sensu lato Komplex zusammengefassten Erreger werden seit 2015 wissenschaftlich korrekt als Borreliella bezeichnet. Dies beinhaltet u.a. Borreliella burgdorferi, Borreliella afzelii, Borreliella garinii, Borreliella bavariensis, Borreliella spielmanii und Borreliella bissettii.
Hinweise:
1. Das Genus Borrelia für z.B. die Erreger des Rückfallfiebers (LBRF: Louse-Borne Relapsing Fever, TBRF: Tick-Borne Relapsing Fever) bleibt erhalten.
2. Eine Verwendung vom Genus Borrelia abgeleiteter Begriffe wie „Lyme Borreliosis“ oder „Neuroborreliosis“ ist klinisch sicherlich noch lange Zeit üblich, wenn auch streng genommen nicht mehr zutreffend.

Ich habe selbstverständlich beim Robert Koch Institut angefragt, wie es hierzu im "aktuellen" Bulletin kommen konnte. Hier die offizielle Antwort, welche ich am 02.05.2019 erhielten. Auszug/Zitat:
[...] „Die RKI-Ratgeber bieten praktische Informationen für Fachpersonal im Gesundheitsbereich. Bei diesen ist der Begriff Borreliella aus unserer Erfahrungen nahezu unbekannt und würde große Verwirrung und Unsicherheit stiften, somit auch im Sinne eines nomen periculosum gefährlich sein.“ [...]
Dr. A. Milde-Busch, Dr. V. Fingerle, Prof. Dr. Dr. A. Sing
Robert Koch-Institut
Seestraße 10
13353 Berlin
Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit.

Die vom Europäischen Center of Disease Control and Prevention ECDC publizierten Informationen zur Lyme Krankheit zeigten den gleichen Fehler. Daher hatten wir auch hier einen Hinweis übersandt.
Hier die freundliche Antwort des ECDC vom 07.05.2019:
[...] Thank you for your valuable comment on the new classification and nomenclature of Borrelia/Borreliella burgdorferi s.l.!
[…] I do agree with you that the ECDC factsheet on „Borreliosis“ should be updated. In 2019 ECDC will utilize scientific support via expert consultancy service specifically focusing on Lyme disease. The tasks of the expert will comprise updating the factsheet amongst other documents. She/he will use the proper terminology and modify the ECDC documents according to the state-of-the-art knowledge on borrelias and the diseases they cause.
Best regards,
Tamas Bakonyi, DVM, PhD
Head of the Disease Programme Emerging and Vector-borne Diseases
Office of the Chief Scientist, ECDC


(29. Oktober 2019 - tho)

Kontakt Impressum Disclaimer

TravelMedicus ist ein unabhängiges, evidenzbasierendes und nicht-kommerzielles Informationsprojekt von medicalQM.
Danke für Ihr Vertrauen.